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Radsport birgt leider viele Gefahren. Als Radsportler hat man es aber in der Hand, die Risiken möglichst gering zu halten. Im Folgenden habe ich meine Erfahrungen aus über 20 Jahren zusammengefasst. Den ein oder anderen Tipp kann hier aber jeder mitnehmen. Mit Sicherheit!

Individualverhalten

Präsent sein

Das Erste was ich gelernt habe war, mich nicht zu verstecken. Als Velofahrer ist man Teil des Verkehrs. Wer präsent ist, den Raum nutzt, der im zusteht und sich bemerkbar macht, fährt sicherer. Dies bitte nicht mit einem aggressiven Verhalten verwechseln. Es geht darum, als Verkehrsteilnehmer ernstgenommen zu werden.
Um den richtigen Abstand zum Strassenrand anzugewöhnen, habe ich mir folgende Technik angewöhnt: Wenn ich den Lenker bei den Bremsschalthebeln greife und ich auf meine rechte Hand schaue, so verdeckt die Hand aus dieser Perspektive die Fahrbahnbegrenzung. So halte ich ca. einen knappen Meter Abstand zum Fahrbahnrand. Dies ist auch wichtig für allfällige Ausweichmanöver.
Zum Präsentsein gehört natürlich auch ein vernünftiges Licht und Reflektoren bei Dunkelheit.

Nicht auf sein Recht verlassen

Menschen (nicht Autofahrer oder Velofahrer oder Fussgänger) machen Fehler! Und zwar jeder! Daher erhöht es die Sicherheit ungemein, wenn man sich nicht nur auf die Verkehrsregeln verlässt, sondern immer damit rechnet, dass jemand diese verletzt. Wir waren alle schon einmal froh, dass jemand für uns mitgedacht hat…
Das schliesst auch das «Vorrausschauende Fahren» mit ein. Man darf nicht nur das sehen, was gerade passiert, sondern muss auch das sehen, was noch passieren wird. Wenn z.B. bei einem abgestellten Fahrzeug die Lichter ausgehen, kann im nächsten Moment die Türe aufgestossen werden.

Cool bleiben!

Im Strassenverkehr sind die Gemüter manchmal erhitzt. Eine lautstarke oder sogar handgreifliche Auseinandersetzung hilft aber nicht weiter und nutzen höchstens dem eigenen Ego. Und das eigene Ego lässt sich viel besser streicheln, wenn man sich sagen kann, die Situation cool gemeistert zu haben.

Das Material

Notlichter heissen nicht umsonst so. Wer weiss, dass er im dunkeln trainiert, braucht ein gutes Licht, dass nicht nur dafür sorgt, dass man gesehen wird, sondern auch die Strasse ausleuchtet. So werden Hindernisse schnell genug erkannt. Auch das Rücklicht sollte mehr können als die kleinen Plastikteile, die man an der Baumarktkasse bekommt.
Ein wichtiger Punkt in Sachen "passiver Sicherheit" ist die richtige Bekleidung. Beim Kauf der Regen- Winterjacken also eher auf auffällige Farben zurückgreifen.

Beim Thema Material muss man aber noch weiter denken: Selbst eine schlecht eingestellte Schaltung kann zu einem Springen der Kette und damit zum Sturz führen. Besonders beim Fahren in der Gruppe also auf tadelloses Material achten.

Die richtige Strecke wählen

Als Radsportler haben wir meist die freie Steckenwahl. Wir können z.B. zu Stosszeiten dem ärgsten Verkehr ausweichen. Es ist aber auch sinnvoll, die Strecke dem Training anzupassen. Ein Zeitfahrtraining also auf sehr wenig befahrenen und übersichtlichen Strassen absolvieren. Durch die Position auf dem Aerolenker und die hohe Geschwindigkeit dauert das Reagieren auf eine Gefahr ungleich länger.
Auch wer Sprints und Intervalle trainiert muss bedenken, dass dies die Aufmerksamkeit verschlechtern und die Reaktionszeit verlängern kann.

Technik verbessern

Besonders Quereinsteiger haben in Sachen Technik oft Nachholbedarf, sind sich aber nicht bewusst, wie sehr eine gute Radbeherrschung die Sicherheit erhöhen kann. Ganz nebenbei erhöht es übrigens auch die Freude am Radsport.

Das Fahren im Kollektiv

In einer Gruppe zu fahren birgt nochmals weitere Risiken. Eine einfache Möglichkeit zu erhöhen ist, kompakt und «sauber» zu fahren. So wird man als Einheit wahrgenommen. Man muss sich einfach mal in die Situation eines Auto- oder Motoradfahrers versetzen: weit verstreute Velofahrer ohne sichtbaren Zusammenhalt löst Unsicherheit und Verwirrung aus. Und das wiederum kann zu gefährlichen Manövern führen.
Ich bin zwar der Meinung, dass eine Doppelreihe grundsätzlich sicherer ist, als eine Einreihe (verleitet Autofahrer nicht dazu, trotz Gegenverkehr zu überholen. Ausserdem ist die Länge der Gruppe geringer und der Überholvorgang schneller abgeschlossen). In der Schweiz ist das Fahren in einer Doppelreihe aber nur in bestimmten Situationen erlaubt https://www.pro-velo.ch/de/themen/sicherheit-und-recht/sicher-velofahren/.
In der Gruppe ist jeder für die anderen Teammitglieder verantwortlich. Wer z.B. an der Spitze fährt und das Überqueren einer Kreuzung noch vor einem herannahenden Auto schaffen will, muss bedenken, dass hinter ihm/ihr noch weitere Fahrer/innen kommen.

Keine Rennen im Strassenverkehr

Es gibt einen Grund, weshalb es bei Radrennen viele Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit gibt. Viele Radsportler würden sich beschweren, falls eine Rennstrecke nicht perfekt gesichert, tragen dann aber innerhalb von Ortschaften regelrechte Rennen aus.
Natürlich kann man sich auch im Training miteinander messen. Dazu muss die Strecke aber geeignet sein, kein unnötiges Risiko eingegangen und die Verkehrsregeln eingehalten werden.

Kommunikation

Hindernisse müssen angezeigt werden. Das gilt nicht nur für die ersten in der Gruppe. Das Signal muss bis zum letzten weitergeleitet werden.
Kommandos müssen klar und einfach sein: links, rechts, halt! Ansagen wie «wir fahren hinten durch» ist nicht für jeden direkt klar 😊.

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