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Wenn es um meine Athleten etwas ruhiger wird, nutze ich die Zeit u.a. dazu, meine Betreuungsangebote anzupassen. Dabei schaue ich auch kritisch auf meine Arbeit. In diesem Zusammenhang frage ich mich selbst immer, was die Eckpunkte meiner Arbeit sind, was mich als Trainer auszeichnet. Die Stichpunkte, die dabei herausgekommen sind, habe ich mal als Text ausformuliert. Hier ist also meine «Trainingsphilosophie» (Ergänzungen halte ich mir offen 😉)

1. Das wichtigste zuerst

Den grössten Nutzen, den ein Athlet von einem Trainer hat ist, dass dieser den Überblick behält. Als Athlet verliert man sich oft in Details und sieht oft nur viele kleine negative Aspekte. Daher werden bei mir die Schwächen gewichtet. Möchte ein Radsportler beispielsweise ein besserer Sprinter werden, kommt aber bei den meisten Rennen erschöpft auf die letzten Kilometer, so muss man sich selbstverständlich erst um die Dauerleistungsgrenze kümmern.

2. Studien und Trends hinterfragen

Einer der schönsten Teile des Trainerjobs ist es, nach neuen Erkenntnissen in der Trainingswissenschaft zu suchen. Zum einen sind Studienergebnisse sehr überraschend. Zum anderen will man als Coach natürlich immer auf dem neuesten Stand sein, um eine möglichst gute Arbeit leisten zu können. Wichtig ist aber, Studien immer zu hinterfragen:
Dabei geht es mir nicht darum, die Korrektheit der Arbeit zu hinterfragen (bei Studien die nur dem Marketing eines Produktes dienen, muss man das aber manchmal dann doch). Vielmehr muss man sich vor eigene Fehlinterpretationen schützen. Im Detail

a) Mit wem wurde die Studie durchgeführt?

Oft werden die Probanden als "highly trained athletes" beschrieben. Kann ich also eine Trainings- oder Ernährungsform die dort untersucht wurde auf Hobbysportler übertragen?

b) Was wurde untersucht und werden die Ergebnisse richtig interpretiert?

Heisst es z.B., dass durch ein bestimmtes Training die Ausdauer verbessert wurde, so man fragen, wie die Ausdauerleistung getestet wurde. Dies gilt wiederum nicht den Autoren einer Studie. Allerdings werden Studienergebnisse in kurzen Zusammenfassungen im Netz falsch interpretiert.

c)Wer hat die Studie durchgeführt? Wird mit dem Studienergebnis versucht, ein bestimmtest Produkt zu vermarkten?

Das oben geschriebene gilt auch für Trends. Neue Materialien und neue Trainingsgeräte stechen natürlich durch eine besonders gute Eigenschaft hervor. Auch neue Trainingsformen versprechen die Verbessrung von Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer usw. Aber auch hier muss man sich fragen: nutzt mir das? Passt das zu mir und meinen Zielen? Habe ich überhaupt eine Schwäche, die sich durch das Produkt/Trainingsform/Nahrungsergänzung beseitigen lässt?

3. Hobbysportler sind keine kleinen Profis

Fast jeder Hobbysportler hat ein Vorbild. Ihnen nachzueifern spornt natürlich an. Dabei schielt man natürlich auch gerne auf dessen Trainings- sowie Ernährungsgewohnheiten und erhofft, vielleicht hinter ein Geheimnis zu kommen. Handelt es sich bei einem Vorbild um einen Hochleistungs- oder Berufssportler, muss man vorsichtig bei der Nachahmung seines/ihres Trainings sein. Schliesslich kennt man das Idol nicht wirklich, weiss nicht wo die Stärken und Schwächen liegen. Durch jahrelanges Training sind es die Profis gewohnt, hohe Belastungen zu verkraften. Vielen Hobbysportlern ist natürlich bewusst, dass ihr Zeitpensum kleiner als das der Profis ist. Leider begehen diese dann den Fehler (wie ich in meinen Anfängen als Sportler) und brechen die Umfänge einfach auf ihr Niveau herunter. Als «Weekend-Warrior» muss ich nicht einfach nur weniger trainieren. Ich muss anders Trainieren. Schliesslich sind die Anforderungen auch anders.

4. Trainingseffekte gewichten/Mut zur Lücke

Alles was ein Sportler tut, hat immer mehrere Einflüsse. Oft hat etwas auch gegensätzliche (gut und schlechte) Auswirkungen. Ein Beispiel: Ausdauersportler streben aufgrund des günstigeren Kraft-/Lastverhältnisses ein möglichst niedriges Körpergewicht an. Bei geringerem Gewicht ist die relative Leistung höher, wenn die absolute Leistung gleich bleibt. Wenn! Oft geht mit einer Gewichtsreduktion auch ein Leistungsrückgang einher. Vergessen darf man auch nicht die gesundheitlichen Risiken.

5. Intuition

Wir wissen schon viel darüber, wie ein/e Sportler/in funktioniert. Es gibt aber noch viel mehr, was wir nicht wissen
Daher darf man auch ruhig mal seiner Intuition folgen und trainingswissenschaftliche Erkenntnisse links liegen lassen.

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