Vortrag zum Thema “Saisonplanung im Ausdauersport” im Veloclub Allschwil
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Ein Neuanfang

Seit nun gut zwei Jahren habe ich kaum noch an Wettkämpfen teilgenommen. Sieht man einmal von meiner "Schande am Gempen" und zwei Paarzeitfahren ab. Mir bricht es aber jedes Mal das Herz, wenn ich meine Athleten zu "Tests in Eigenregie" schicke, um wichtige Daten über den Leistungsstand und Leistungsverlauf zu sammeln. Denn einige dieser Tests sind enorm anspruchsvoll und verlangen den Sportlern alles ab, während ich ich im Anschluss die Daten auswerte bequem am Laptop auswerte und Rückschlüsse auf das Training ziehe. Um mich mal wieder selbst als Sportler zu fühlen und um zur moralischen Unterstützung mitzuleiden, habe ich mir selbst auch eine Testserie auferlegt. Vielleicht hat die lange Rennpause ja ungeahnte Energien freigesetzt?!

Bei dem Test, den ich Ende Februar bzw. Anfang März durchgeführt habe, handelt es sich um das "Ermüdungsprofil", wie es von Allen/Coggan beschrieben wurde. Dabei werden an verschiedenen Tagen jeweils mehrere Tests über verschiedene Zeiträume innerhalb einer Trainingszone absolviert. Ziel ist es, den Grad der Ermüdung innerhalb eines Trainingsbereichs zu ermitteln.

Die Tests - Der Wahrheit ins Auge sehen

Also gut. An einem recht "frischen" Februarmorgen standen also die Tests über die Ermüdung innerhalb des neuronalen Bereichs an. Dazu musste ich über 5, 10 und 20 Sekunden sprinten. Die ersten beiden Tests verliefen recht unspektakulär. Nur beim 20 Sekunden-Sprint machte sich die kalte Luft bemerkbar. Daher beschloss ich, die Testserie über 30, 60 und 120 Sekunden auf den Frühling zu verschieben.

Als die Temperaturen Anfang März dann zweistellig wurden, hatte ich keine Ausrede mehr. Glücklicherweise gesellte sich ein ähnlich starker Fahrer zu mir. Dadurch erhoffte ich mir eine Extraportion Motivation. Auch mein Trainingspartner liess sich wohl durch meine Anwesenheit zu übermenschlichen Kräften motivieren. Nicht genug, um meinen 30 Sekunden-Wert zu toppen... Allerdings ausreichend, um seine Kette in die Knie zu zwingen... Nach vielen erfolglosen Versuchen, eine der Kettenlaschen wieder über den Bolzen zu "fummeln" (wir müssen uns dabei genauso geschickt angestellt haben, wie zwei Schimpansen, die versuchen eine Druckerpatrone zu wechseln), schob ich meinen Kompagnon mit der etwas saubereren Hand (ja, ich weiss, man sollte immer Einweghandschuh in der Satteltasche haben) auf den nächsten Berg, von wo aus wir dann bis ins nächste Dorf rollen konnten. Bei diesem Versuch hätte ich fast schon einen neuen Bestwert über die 2 Minuten aufgestellt. Aber eben: nur fast. Also hiess es, nachdem ich meinen Trainingspartner am nächsten Velo-Shop abgegeben hatte, nochmals eine geeignete Stelle für die beiden verbleibenden Tests zu finden. Da die Zeit aber nun schon fortgeschritten war und ich mein "Papa-Trainings-Zeitbudget" fast völlig aufgebraucht hatte, musste ich die beiden Tests bei reichlich Verkehr und mit einer viel zu kurzen Pause durchführen. Nicht wirklich optimal aber ich hatte anschliessend das Gefühl, mein Bestes (was ja momentan nicht wirklich viel ist) gegeben zu haben.

Jetzt steht noch der letzte Testblock über 3, 5 und 8 Minuten an. Für diesen reserviere ich mir einen der Samstage im Frühling.

Fazit

Schwachpunkt scheint meine Ermüdungswiderstandsfähigkeit im Anaeroben Bereich zu sein. Meine Stärke liegt auf "langen Sprints" (ich und sprinten :), da die Leistung zwischen dem 5-Sekunden-Leistungsmaximum und dem 10-Sekunden-Leistungsmaximum nur um 10,3% nachlässt. Zwischen 5 und 20 Sekunden baue ich nur um rund 17% ab. Ich bin also auf "langen Sprints" besser oder zumindest nicht ganz so schlecht wie auf kurzen Sprints (je nachdem wie man es ausdrückt). Pluspunkte gebe ich mir selber in Hilfsbereitschaft, einhändigem Schieben und "Den-Spass-an-der-Sache-nicht-verlieren-auch-wenn-es-mal-nicht-nach-Plan-läuft". Punktabzug gibt es allerdings im Bereich Mechanik und Ästhetik (nachlässige Maniküre).

Auch, wenn die Vorbereitung und die Durchführung besser organisiert sind als oben beschrieben, muss bedacht werden, dass ein Feldtest nie 100%ig korrekte Daten liefert. Trotzdem sind Feldtests in Eigenregie sind eine gute Methode, um sich kostenarm in spezifischen Bereichen mehrmals über die Saison selbst zu testen. Somit können wertvolle Informationen gesammelt werden, die die Trainingsplanung und die weitere Vorgehensweise optimieren können.

Wer sich selbst testen will, sollte folgendes beachten:

  1. Tests kosten Zeit und Energie. Man muss sich also die Frage stellen, welche Tests Sinn machen. Tests nur aus Eitelkeit durchzuführen, um sich selbst zu Beweisen wie gut man ist, sind überflüssig. Vielmehr sollten Bereiche getestet werden, die der Zielsetzung entsprechen.
  2. Es sollte auf möglichst gleiche Bedingungen geachtet werde. Dies betrifft die Wetterbedingungen, die Tageszeit, die Streckenführung, die Ernährung, das Aufwärmen sowie den Grad der Erschöpfung mit dem der Test angegangen wird.
  3. Für den Testtag muss genug Zeit eingeplant werden. Stress wirkt sich negativ auf die Motivation aus. Ausserdem ist bei längeren Tests das Pacing nicht unerheblich. Um wirklich alles geben zu können muss der Athlet sich auf sich und die Körpersignale konzentrieren können.
  4. Streckenkenntnis ist enorm wichtig. Nichts ist ärgerlicher, als wenn ein Test aufgrund einer Ampel oder einer Baustelle abgebrochen werden muss.
  5. Die Sicherheit kann erhöht werden, wenn auf verkehrsarmen Strecken getestet wird. Die hohe Anstrengung schmälert die Fähigkeit sich zu konzentrieren. Also immer ausserhalb geschlossener Ortschaften auf verkehrsarmen Strassen testen.
  6. Aktzeptiere die Ergebnisse

Und nun viel Spass beim selbertesten!

Coach Greg

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