Dein Coach der Philosoph
22. Oktober 2019
Kurzes “all-inclusive” Training
1. Februar 2020
alle anzeigen

Das Trainingtagebuch

Ist das Trainingstagebuch Oldschool?

Bei Gesprächen mit Sportlern über Trainingsanalysen und Trainingsplanung, stelle ich immer wieder fest, dass kaum jemand ein Trainingstagebuch führt. Der Grund dafür ist vermutlich das Aufkommenvon Online-Trainingsplattformen wie Strava, Endomondo, Runkeeper oder Garmin Connect. Kaum zu Hause, werden die aufgezeichneten Trainingsdaten hochgeladen. Auch können die Trainings kommentiert werden. Zur Speicherung und Analyse vor allem von Leistungsdaten sind diese Tools natürlich sehr hilfreich und eine echte Bereicherung für die Trainingsanalyse und -planung.

Was spricht also noch für ein klassisches Trainingstagebuch?

1. Wer kann sagen, wie lange es die o.g. Plattformen noch gibt und wie lange man auf seine Daten zugreifen kann? Mag komisch klingen aber ich besitze 20 (!) Jahre alte Trainingsnotizen. Meine Aufzeichnungen aus dem Radsport reichen rund 20 Jahre zurück. Auf diese greife ich sogar manchmal noch zurück, wenn ich mich in junge Athleten versetzen will.

2. Das wichtigste an einem Trainingstagebuch sind die "weichen" Faktoren. Wie habe ich mich gefühlt beim Training? Was lief gut, was weniger? Zwar bieten die Online-Plattformen auch eine Möglichkeit, die weichen Faktoren zu notieren. Aber erfahrungsgemäss notiert dort niemand etwas ernsthaftes/sinnvolles, da man sich auf Strava und co natürlich positiv präsentieren will. Wirkliche Schwächen an denen man arbeiten sollte, notiert dort also niemand.

Besser wird man als Sportler nicht nur, wenn man die harten Intervalle zur richtigen Zeit fährt oder länger läuft als alle anderen. Stärker, schneller und ausdauernder wird man vor allem, wenn man sich als Sportler weiterentwickelt. Dazu gehört, das eigene Verhalten zu überdenken sowie Stärken und Schwächen ehrlich zu bewerten. Und genau dabei hilft das gute alte Trainingstagebuch.

Was gehört ins Trainingstagebuch?

Grundsätzlich alle "Eckdaten" wie
• Dauer,
• Entfernung und
• Trainingsinhalt.
Diese können noch durch
• Uhrzeit des Trainings,
• Witterungsbedingungen,
• Strecke,
• Trainingspartner
• u.v.m.
ergänzt werden. Seit ich meine Trainings elektronisch speichern kann, beschränke ich mich auf die nötigsten Daten. Wie oben schon erwähnt sind es die "weichen Faktoren".

Beispiele aus der Praxis

Sportler, die ich gebeten habe, mir neben den reinen Trainingsdaten auch Kommentare zu ihrem Training und Befinden zukommen zu lassen, haben mir u.a. diese informativen, lustigen und skurrilen Einträge gemacht:

Hier wird eine Schwäche deutlich, die dafür sorgt, dass Übungen für die Technik und das Wassergefühl Vorrang haben.

"uiii… wo ist mein Wassergefühl geblieben... nach über 5 Monaten wieder im Wasser…kommt schon gut, braucht einfach Gedult…""

Diese beiden Einträge zum Thema "Work-live-balance" fand ich auch sehr spannend. In Zeiten in denen man einen "Hänger" hat, kann solch eine Information sehr nützlich sein.

"hat gut getan, machte mich frisch..."

"War cool mal wieder so richtig zu drücken..."

Eine Erkrankung und Rekonvaleszenz müssen genau beobachtet werden, um sich richtig zu verhalten und das Training z.B. nicht zu früh wieder aufzunehmen.

"Fühlte mich bei beiden Einheiten wohl und gut… vor allem beim Rad hab ich gemerkt, dass die Erkältung nun drausen ist… hab wieder Kraft…"

In Kombination mit den "Harten Fakten" kann diese Aussage interessant für die zukünftige Planung sein.

"Hatte noch etwas schwere Beine, aber lief ganz gut… die letzten 15 min. waren hart, da merke ich noch die fehlenden längeren Läufe… aber das kommt noch, easy ;o)"

Auch Ausrutscher werden sich so bewusst gemacht und werden nicht einfach verdrängt.

"etwas müde Beine vom Snowboarden und eine taube Leber vom saufen ;o) . Hat aber gut getan und spass gemacht…"

Fazit
Das Trainingstagebuch ist ein sehr wichtiges Tool für ambitionierte Sport. Es hilft, die eigenen Stärken und Schwächen ehrleich aufzudecken, um daran zu arbeite. Damit ist es ebenso wertvoll, wie ein Leistungsmesser.

Greg
Greg
Gregor Lang ist der Betreiber dieser Seite, Trainer und sein eigener Chef. Wenn er nicht gerade Trainingspläne schreibt oder Trainingsdaten analysiert, probiert er neue gute und gesunde Rezepte aus. Fragen von Athleten bringen ihn auf die Ideen zu zahlreichen Blogeinträgen.
Zur Werkzeugleiste springen